Juli 18

9. Elfenwohnkultur

Tereian bugsierte mich durch eine Tür, verbeugte sich nonchalant, erklärte mir, dass man für meine Bedürfnisse sorgen würde und dass ich doch bestimmt ein wenig Erholung nötig hätte, und dann verschwand er mit einem „Ich habe noch etwas Dringendes zu erledigen.”
Huh!
Die anderen Elfen verschwanden genauso schnell um die Ecke wie er, mit Ausnahme von zwei bulligen Kerlen, die rechts und links von meiner Tür im Gang Aufstellung nahmen. Wachen, ganz offensichtlich. Ich war mir nur nicht sicher, ob sie mich jetzt beschützen oder unter Hausarrest stellen sollten. Vermutlich beides, wenn ich so darüber nachdenke.
Ich schloss erst einmal demonstrativ die Tür und nahm mein Zimmer in Augenschein.
Die Wand sah aus, als bestünde sie aus Baumrinde. Echte deutsche Eiche natur, sozusagen. Dagegen war Omas altes Buffet im Wohnzimmer meiner Eltern feinste Politur. Der Fußboden schien aus einer einzigen, riesigen Holzplatte zu bestehen, die spiegelnd glatt aussah, wenn auch nicht ganz eben. Der Fußbodenleger musste einen Knick in der Optik gehabt haben, nach den ganzen Bodenwellen zu urteilen. Mitten im Raum stand ein richtiges Prinzessinnenbett, gedrechselte Pfosten, duftige Vorhänge, seidig schimmerndes, weißgolden gemustertes Bettzeug und etliche kostbar bestickte Kissen inklusive. Auf der linken Seite des Bettes, in das gut und gerne drei Personen passten, stand ein zierliches Holztischchen mit einer gefüllten Kristallkaraffe und einem Glas. Verdursten würde ich also wohl nicht. Vor dem Bett befand sich ein ebenfalls hölzerner, zierlicher Hocker. Das war’s. Nichts sonst, kein Schrank, kein Teppich, kein Sessel, kein Garnichts.
Ich inspizierte die beiden ovalen, fast bodentiefen Fenster gegenüber. Wir befanden uns offensichtlich im dritten Stock. Und direkt unter dem Fenster war ein ominös aussehender Burggraben, der irgendwie Gefahr ausstrahlte. Schlafwandeln durfte man hier auch nicht, die Fenster waren ohne Verglasung. Immerhin wurde der Raum dadurch problemlos belüftet.
Fein.
Ich sah mich suchend um. Keine weitere Tür. Ob die hier noch so im Mittelalter lebten, dass die Toiletten irgendwo auf dem Gang waren?


Copyright © 2014. All rights reserved.

Posted 18. Juli 2014 by web535 in category Aktuelles Manuskript

Leave a Comment

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

*

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>