Juli 10

8. Intermezzo

Es hat gewisse Vorteile, wenn man mit einem Polizisten befreundet ist.
Nachteile natürlich auch. Einer davon ist, dass dein Liebster ständig Bereitschaft hat und nie zu Hause ist, wenn du selbst Hilfe brauchst.
Nun, wie es aussah, musste ich mich mit dem begnügen, was ich zur Hand hatte. Und das war ein wenig mitteilsamer Elfenritter. Ich beschloss, einen auf hilflose Maid zu machen.
„Tereian”, flötete ich mit verzweifeltem Augenaufschlag, „du kannst mich doch nicht einfach hier alleinlassen!”
Bei „du” erblassten alle umstehenden Elfen. Der, der meinen Arm hielt, ließ los, als ob er sich verbrannt hätte. Offensichtlich hatte ich gerade einen prächtigen Fauxpas begangen. Einen Moment war ich versucht, mich zu entschuldigen, aber dann schob ich trotzig meine Unterlippe vor. Weshalb wohl sollte ich mich entschuldigen? Dafür, dass der mich erst in eine völlig fremde Welt verschleppt hatte und mich jetzt offensichtlich abschieben wollte?
Tereian gab einen kleinen, halb verschluckten Seufzer von sich und erklärte dann artig: „Natürlich nicht, Dame Ilona. Ich werde Euch zu Euren Gemächern begleiten.” Eine leicht scheuchende Handbewegung seierseits, und der Tross an dienstbaren Geistern setzte sich vor uns und hinter uns in Bewegung. Tereian hielt mich ungefähr so fest wie im Einhornwald, als hätte er Angst, ich könnte ihm hier verlorengehen. Nach den ersten drei Abzweigungen und Gabelungen der Palastgänge war ich geneigt, dem zuzustimmen. Ich hatte mich bereits jetzt hoffnungslos verirrt.
Die gefühlt fünfzigste Gabelung, etliche Treppen herauf und herunter sowie etwa drei Dutzend prächtige Säle später erreichten wir einen Bereich des Schlosses, der deutlich weniger mit Ornamenten und Zierat überladen war. Ich atmete auf, Erholung für meine Augen, auch wenn ich mir natürlich sofort darüber im Klaren war, dass ich hier in drittklassige Räume abgeschoben wurde. Wie war das noch mal – Haustier?


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Posted 10. Juli 2014 by web535 in category Aktuelles Manuskript

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