Juli 5

7. Kollateralschaden

Kurz sah ich eine Emotion über das Gesicht der Dame Silva flackern, die ich nur als wütenden Hass interpretieren konnte. Dann lächelte auch sie zuckersüß, trat einen halben Schritt zurück und hob mit einer gnädig-herablassenden Geste ihre gertenschlanke , mit mehreren Ringen besetzte Hand. „Natürlich nicht, Tereian, jedenfalls nicht mehr als das Summen einer lästigen Fliege.” Damit drehte sie auf dem Absatz um und stakste mit wehenden Gewändern davon, gefolgt von dem ganzen Klüngel um sie herum. Lediglich ein paar bedeutend schlichter gekleidete und offensichtlich männliche Exemplare blieben zurück.
Tereian sah ihr einen Moment hinterher, knurrte dann etwas Undefinierbares und wandte sich an einen der Elfenmänner. „Ist irgendwo im Schloss eine Unterkunft frei, in der ich sie unterbringen kann?” Bei „sie” deutete er auf mich.
„Verdammt noch mal, ich habe auch einen Namen!” schnappte ich zurück. „Ich heiße Ilona. Ilona Schmidt.”
Einer der anderen Elfen, der, so wie ich es interpretierte, vermutlich ein Bediensteter in diesem Schloss war, verneigte sich kurz. „Im Ostflügel ist noch ein unbesetzter Bereich, Ritter Tereian, dort könntet Ihr Eure Menschenfrau unterbringen. Darf ich fragen, in welcher Funktion Ihr sie mitgebracht habt?”
„Kollateralschaden,” gab Tereian kurz zurück. „Sie geriet in meine Trolljagd.”
„Oh, ich verstehe.” Der Blick, der mich jetzt traf, war halb mitleidig, halb belustigt. „Dann darf ich davon ausgehen, dass Dame Ilona ein wenig länger bleiben wird?”
Ich öffnete gerade den Mund, um ein entschiedenes „Nein” zu schmettern, als Tereian meinen Oberarm packte, mich zu dem anderen Elfenmann schob und knapp, aber eindeutig befehlsgewohnt erklärte: „Das entscheidet die Königin.”
Mein bereits aufgeklappter Mund klappte wieder zu. Die Königin? Wie es schien, fehlten mir ein paar wichtige Fakten. Ich beschloss, zunächst einmal brav mitzuspielen und ein paar Informationen zu baggern. Nicht, dass ich eine Wahl hatte. Kaum, dass Tereian seinen Griff gelöst hatte, fühlte ich bereits die Hand des anderen Elfen auf meinem Arm. Nicht direkt unangenehm, wirklich nicht, aber ungefähr so nachgiebig wie eine solide Stahl-Handschelle. Glauben Sie mir, ich weiß, wovon ich rede. Schließlich hatten Jens und ich so einige Spielchen in unseren Schlafzimmer ausprobiert.


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Posted 5. Juli 2014 by web535 in category Aktuelles Manuskript

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