Juni 23

5. Die Einhornquelle

“Fertig?” fragte er spitz. Ich nickte nur stumm. Er kam aus dem tiefen Schatten ins Mondlicht heraus. Irgend etwas war anders an ihm. Ich brauchte einen Moment, bis ich begriff, was mich irritierte. Der Kerl hielt ein Messer in der linken Hand, Größe XXL. Der wollte wohl wohl nicht etwa…?
Er schlich um mich herum, die ganze Zeit die Nase hoch erhoben, und schnupperte in den Wind. “Wir müssen hier schnell weg,” sagte er.
“Noch mehr Trolle?” fragte ich.
“Nein, hierher können sie nicht kommen.” Seine Stimme klang nachdenklich, er schien sehr weit weg zu sein in seinen Gedanken. “Aber diese Quelle gehört einem Einhorn. Und die sind wahrlich nicht glücklich, wenn Fremde sie benutzten. Noch dazu, wenn diese Fremden stinkende Spuren am Ufer hinterlassen.”
“Na hör mal,” protestierte ich, “du hast mich doch zu dieser Quelle gebracht.”
“Jaja,” murmelte er, “habe ich- eine schaukelkranke Menschenfrau ist noch fürchterlicher als ein wütendes Einhorn. Aber trotzdem, ich habe keine Lust, heute Abend noch ein Turnier auszufechten. Komm schon, lass uns endlich verschwinden!”
Ich streckte zögernd meine Hand aus. Keine Sekunde später stolperte ich wieder im Laufschritt neben ihm her. Wenigstens versuchte er nicht wieder, mich zu tragen.


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Posted 23. Juni 2014 by web535 in category Aktuelles Manuskript

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