April 17

1. Ein Elf kommt um die Ecke

Und mit diesem Abschnitt beginnt mein neues Manuskript:

Der Troll lugte hinter der Mülltonne am K&K-Markt hervor. Seine bunten Kleiderfetzen konnten nicht darüber hinwegtäuschen, dass er abgrundtief hässlich war. Ein fast kahler, von Warzen überzogener Schädel, ungesund grüngraue Haut, tiefliegende Augen, breite Hauer im Mund. Und als i-Tüpfelchen hielten seine schmutzigen Pranken einen sehr futuristischen und gefährlich aussehenden Schießprügel. Ein Windhauch fächelte herüber. Mir wurde sofort schlecht. War es der Troll oder der Müllcontainer, der so stank? Egal was, es schien mir geraten, mich unauffällig aus dem Staub zu machen. Aber gerade als ich um die Ecke biegen wollte, kam jemand von dort hervorgeschossen und rempelte mich an. Ich sah Sterne und schwankte.

Eine kräftige Hand packte mich. “Verdammte Scheiße!”, zischte eine eindeutig männliche Stimme. Dann zerrte die Hand mich ein Stück weit und stellte mich mit dem Rücken an eine Mauer. Ich blinzelte. Das Gesicht, das  mein Blickfeld ausfüllte, war irgendwie … nicht menschlich. Sehr fein geschnittene, eindeutig schöne Gesichtszüge – Moment mal, das war doch eine männliche Stimme gewesen? Leicht schräge Augen … oh, jetzt wußte ich, was mich daran störte. Die Pupillen! Sie waren kartzenartig und saßen in einer intensiv grüngoldenen Iris. Ein rascher Blick über den Rest des Körpers bestätigte meinen Verdacht. Spitze Ohren, lange silberne Haare, grüne Klamotten – ein Elf.

Endlich gelang es mir, die Szene in einen logischen Zusammenhang zu bringen. Klar, wir hatten doch gerade das große Treffen der LARP-Spieler in der Stadt. Ich war genau in eines dieser dämlichen Live-Rollenspiele reingeraten. Aber verdammt gute Maske, das mußte man den Typen lassen. Tolle Kontaktlinsen.Und wie lange der Kunstelf wohl gebraucht hatte, um sich die Haare so wachsen zu lassen? Das heißt, falls er nicht eine Perücke trug.